Open Innovation Day 2026 von TD SYNNEX, IBM und Red Hat: Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität und Datensicherheit im Fokus
Der Open Innovation Day im Mai war mehr als eine Leistungsschau neuer Produkte. Die Veranstaltung in Siegburg zeigte, wie schnell sich die Agenda für Business Partner und ihre Unternehmenskunden verändert: KI, hybride Cloud-Plattformen, Quantencomputing, Echtzeit-Daten und Souveränität wachsen zu einer intelligenten und resilienten Architektur zusammen.
Zur Einstimmung stellte Daniel Eder, Manager IBM Sales von TD SYNNEX, die wichtigsten Ankündigungen der IBM Think 2026 in Boston, USA vor. „IBM positioniert sich klar als Enterprise AI-Plattform für die Agentic AI-Ära.“ Zudem wurde deutlich, dass IBM seine Marktstrategie weiterhin an das bewährte Partnermodell koppelt: Angepeilt werden zehn Prozent Wachstum, die zu 50 Prozent per Direct Business und zu 50 Prozent vom IBM Ecosystem erwirtschaftet werden sollen – ein starkes Bekenntnis zu den Business Partnern.
Open-Source-Plattformen mit KI im Trend
Die anschließende Zusammenfassung von Jennifer Hüsch, Manager Red Hat, TD SYNNEX, über den Red Hat Summit in Atlanta, USA machte deutlich, mit welchem Tempo der führende Open-Source-Lösungsanbieter sein Portfolio in Richtung KI und Plattformmodelle ausbaut. Vorgestellt wurden unter anderem Red Hat AI 3.4, die Red Hat AI Factory mit Nvidia, neue Developer Tools für Agentic AI sowie Erweiterungen der Red Hat Sovereign & Private Cloud. „Red Hat betrachtet KI als Basistechnologie für Betriebsprozesse und Anwendungen. Deshalb werden sämtliche Produkte mit entsprechenden Fähigkeiten ausgestattet“, betonte Hüsch.
Wie dieses Konzept in der Praxis aussieht, erläuterte Markus Schreier, Associate Principal Solution Architect, Red Hat, in seiner Präsentation „Plattformstrategien für Hybrid Cloud und AI“. Schreiers Kernaussagen: „Open Source schafft Anbieterunabhängigkeit ohne Bindung an proprietäre Stacks, strategische Flexibilität und Zuverlässigkeit für Unternehmen. Dazu kommt OpenShift als innovative Plattform für alle Arten von Workloads. So wird der Kostenaufwand beim Wechsel des Cloud-Anbieters minimiert und die nötige Agilität für den Einsatz in hybriden Umgebungen gewährleistet.“
Die passenden Use Cases brachte Joachim Gucker, Geschäftsführer CROZ DACH, ins Rheinland mit, der zum Thema „Open Shift AI“ referierte: das Wissensmanagement für eine Bank mit einer großen Anzahl von Dokumenten und Nutzern, ein Tool zur Betrugsbekämpfung für einen Kreditkarten-Zahlungsabwickler und einen KI-gesteuerten Assistenten für firmeninterne Anfragen. Abhängig vom jeweiligen Anforderungsprofil kommen dabei Large Language Modelle (LLM) mit Retrieval Augmented Generation (RAG), klassische KI-Tools mit Feature Engineering oder ein Mix der genannten Technologien mit Agentic AI zum Einsatz.
Quantencomputing verlässt Versuchslabor
Eines der heißesten Zukunftsthemen brachte Petra Bührer, Quantum Ambassador Regional Lead DACH, IBM, auf die Bühne. „Quantencomputer lösen Probleme wesentlich besser und schneller als heutige Hochleistungsrechner“, erläuterte Bührer und hob neben dem enormen Potenzial auch die weltweit führende Position von IBM bei der revolutionären Technologie hervor. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für den künftigen Alltagseinsatz ist das nahtlose Zusammenspiel klassischer IT-Systeme mit Quantencomputern.
Für viele Organisationen wird Quantencomputing als Ergänzung bestehender IT-Architekturen relevant. Entscheidend ist also nicht die Frage, wann Quantum in der Breite einsetzbar wird (voraussichtlich ab 2029), sondern wie klassische IT-Systeme, Cloud-Plattformen, Datenmodelle und Quantenressourcen so zusammenwirken können, dass ein belastbarer Innovationspfad entsteht. Dabei spielt das IBM Quantum Europe Data Center im baden-württembergischen Ehningen eine wichtige Rolle in der IBM Strategie.
Neue Sicherheitsrisiken für Unternehmen
Warum Quantencomputer auch zur ernsten Gefahr werden können, erläuterte Michael Sigmund, IBM Software Architect. Seine Kernthese: Kryptografie berührt jeden Bereich der digitalen Welt. Deshalb werden kryptografisch relevante Quantencomputer große Teile der heutigen asymmetrischen Verfahren angreifbar machen: „Wenn langjährige Verträge entschlüsselt werden können, haben wir ein massives Problem“, stellte Sigmund fest. „Hacker stehlen momentan im großen Stil verschlüsselte Unternehmensdaten, archivieren sie und warten, bis die Entschlüsselung per Quantencomputer möglich ist.“ Security-Experten nennen diesen brandgefährlichen Trend „Harvest now, decrypt later“.
Für IT-Entscheider verbirgt sich hinter diesem Leitmotiv eine unangenehme Erkenntnis: Die Cyberrisiken steigen nicht erst mit der Verfügbarkeit der Quantenrechner. Schon jetzt ist eine Bestandsaufnahme der kryptografischen Abhängigkeiten erforderlich.
Digitale Souveränität wird zum Architekturprinzip
Eine weitere innovative Lösung stellte Georg Ember, Automation Platform Architect, Software Technical Sales DACH, IBM, auf dem Tech-Event vor: IBM Sovereign Core. In seinem Vortrag („Von Cloud-Native zu technischer Souveränität mit IBM Sovereign Core“) skizzierte Ember die Souveränität als vielseitige Kombination aus operativer Kontrolle, lokaler Schlüsselhoheit, kontrollierter Telemetrie, standardisiertem Betrieb und Compliance-Fähigkeit. Sovereign Core ist ein KI-fähiger, souveräner Software-Stack auf Open-Source-Basis, ausgelegt auf cloud-native Infrastrukturen für virtualisierte und containerisierte Anwendungen. Der Schwerpunkt liegt auf Red Hat OpenShift. Bemerkenswert ist die technologische Abgrenzung gegenüber den großen Hyperscalern Google & Co. Während diese Konzerne vielfach nur souveräne Zugänge anbieten, bietet IBM ein Gesamtpaket aus Softwarekontrolle, Portierbarkeit, Migrationsfähigkeit und Compliance-Unterstützung. Gerade für regulierte Branchen ist dies ein entscheidender Vorteil. Wer künftige KI-Workloads, klassische Anwendungen und sensible Datenbestände in denselben Steuerungsrahmen bringen möchte, benötigt Architekturen, die Offenheit mit Governance verbinden.
Software-Resilienz und Datenverarbeitung in Echtzeit
Dass die Modernisierung nicht bei der Hardware endet, zeigten zwei weitere Präsentationen auf dem Open Innovation Day. Niko Blättermann, Head Of Observability, codecentric AG, widmete sich dem Thema „Software Resilience“: „IT-Systeme müssen nicht nur leistungsfähig, sondern transparent, widerstandsfähig und beherrschbar sein, um Ausfälle zu vermeiden und die Verfügbarkeit zu maximieren.“ Besonders in verteilten Plattformlandschaften mit KI- und Cloud-Komponenten gewinnt die Observability laut Blättermann an strategischem Gewicht. Einen stark operativen Akzent setzte auch Markus Fleckenstein, Consulting Architect, Mimacom Deutschland mit seinem Thema „Daten in Bewegung – Echtzeitsysteme mit Kafka und Confluent“: „Die Verarbeitung in Echtzeit ist essenziell für effiziente Geschäftsprozesse.“ In der Realität arbeiten aber viele Unternehmen immer noch mit Datensilos, was den Umstieg auf digitale Geschäftsmodelle erschwert.
Am Ende des spannenden Events blieb der Eindruck, dass die IT der Zukunft nicht in einem einzigen Technologiesprung liegt, sondern im intelligenten Zusammenspiel verschiedener Ebenen: offene Plattformen, belastbare Sicherheitskonzepte, souveräne Betriebsmodelle und die Echtzeitdaten. „Diese Trends bildete der Open Innovation Day von TD SYNNEX, IBM und Red Hat “ realitätsnah ab“, zog Rafael Ulrich, Business Development Manager IBM Automation, TD SYNNEX, ein positives Fazit der Veranstaltung. Gezeigt wurde nicht nur, wohin sich die Technologie entwickelt, sondern auch, welche Entscheidungen Unternehmen heute treffen sollten, um auf die Veränderungen von morgen vorbereitet zu sein.