Mit der Aufnahme der HashiCorp-Produkte Terraform und Vault in das IBM-Portfolio von TD SYNNEX öffnet sich für viele Partner ein neues Geschäftsfeld – rund um Hybrid-Cloud, Security und Automatisierung. Wir sprechen mit Rafael Ulrich, Business Development Manager IBM Hybrid Cloud & Automation und Siegfried Markiefka, Business Development Manager IBM Security, über Praxisnutzen, Use Cases und Business-Potenziale.

Die Cloud-Nutzung nimmt in Deutschland deutlich Fahrt auf. Laut dem aktuellen Cloud-Monitor 2025 des Bitkom werden inzwischen rund 50 Prozent aller IT-Anwendungen aus der Cloud betrieben – in fünf Jahren soll der Anteil bei 58 Prozent liegen. Besonders auffällig: 29 Prozent der Unternehmen setzen auf Hybrid-Cloud-Modelle, 41 Prozent auf Multi-Cloud-Umgebungen.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen im Cloud-Umfeld?

Rafael Ulrich: Die Dynamik ist enorm – aber viele Unternehmen kämpfen mit der Fragmentierung ihrer Cloud-Landschaften. 62 Prozent der Unternehmen verlieren wertvolle Time-to-Market durch heterogene Tools und fehlende Automatisierung. Dazu kommen steigende Betriebskosten: Etwa 32 Prozent der Cloud-Ausgaben gelten laut aktuellen Studien als ineffizient eingesetzt – mit steigender Tendenz.

Siegfried Markiefka: Ein weiterer kritischer Punkt ist die Sicherheit. Gesetzliche Vorgaben wie NIS-2, DORA oder das IT-Sicherheitsgesetz 2.0 erhöhen den Handlungsdruck. Gleichzeitig steigt mit der zunehmenden Komplexität hybrider und multi-cloudbasierter Architekturen das Risiko. Viele Sicherheitsvorfälle in der Cloud lassen sich auf Fehlkonfigurationen zurückführen.

Welche technologischen Konzepte helfen dabei, die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen?

Rafael Ulrich: Unternehmen benötigen moderne Tools und Workflows für das Infrastructure Lifecycle Management (ILM) – also für den gesamten Prozess des Aufbaus, der Bereitstellung und Verwaltung der Infrastruktur für cloudbasierte Anwendungen. Lösungen wie Terraform ermöglichen dabei eine standardisierte und automatisierte Steuerung, was insbesondere bei komplexen Umgebungen große Effizienzvorteile bringt.

Siegfried Markiefka: Ebenso wichtig ist ein ganzheitliches Security Lifecycle Management (SLM), das sensible Daten und Sicherheitsmaßnahmen über den gesamten Lebenszyklus von Anwendungen und Systemen hinweg orchestriert. Gerade bei der Nutzung von Multi-Cloud-Architekturen sind verlässliche, skalierbare Sicherheitskonzepte unerlässlich. Tools wie HashiCorp Vault leisten hier einen entscheidenden Beitrag, indem sie zentrale Funktionen für das Secret Management bereitstellen – automatisiert und sicher.

Herr Ulrich, Terraform gilt als Herzstück moderner Cloud-Automatisierung. Warum ist das Tool so relevant für Ihre Partner?

Rafael Ulrich: Terraform ist ein echter Gamechanger, wenn es um die standardisierte, wiederholbare und sichere Bereitstellung von Infrastruktur geht. Unsere Partner können mit Infrastructure-as-Code IT-Ressourcen per Code definieren und plattformübergreifend bereitstellen – ob in der Public Cloud, in Private-Cloud-Umgebungen oder On-Premises. Das erhöht die Geschwindigkeit, reduziert manuelle Fehler und bringt DevOps-Prinzipien direkt in den Infrastrukturalltag. Besonders bei komplexen, hybriden Landschaften ist das ein enormer Effizienzhebel.

Herr Markiefka, Hashicorp Vault spielt in der Sicherheitsarchitektur eine Schlüsselrolle. Was macht die Lösung so besonders?

Siegfried Markiefka: HashiCorp Vault wurde speziell dafür entwickelt, sensible Informationen wie Zugangsdaten, Tokens oder Zertifikate zentral, sicher und rollenbasiert zu verwalten – verschlüsselt und vollständig auditierbar. In einer Welt, in der Identitäten zur neuen Sicherheitsgrenze werden, ist das unverzichtbar. Vault ist weit mehr als ein reiner Geheimnisspeicher – es ist eine strategische Komponente für Zero-Trust-Architekturen, Compliance-Anforderungen und die sichere Umsetzung von Automatisierung.

Für welche Reseller sind die HashiCorp-Lösungen besonders interessant?

Rafael Ulrich: Besonders interessant sind unsere Lösungen für Reseller mit Fokus auf Automatisierung. Mit Terraform und Vault lassen sich Infrastrukturen nicht nur schneller bereitstellen, sondern auch effizienter verwalten und kostenschonender betreiben. Die Tools lassen sich gut in bestehende Workflows integrieren, sind umfassend dokumentiert und profitieren von einer aktiven Community – das senkt die Einstiegshürden deutlich.

Siegfried Markiefka: Für Security-Partner ist HashiCorp Vault aufgrund seiner starken Sicherheits- und Compliance-Funktionen besonders attraktiv. Und für Reseller, die sich auf Multi-Cloud-Management spezialisiert haben, bieten HashiCorp-Lösungen einen echten Mehrwert: Sie ermöglichen eine einheitliche Betriebsumgebung über verschiedene Cloud-Anbieter hinweg. Das reduziert Komplexität und stärkt Governance-Strukturen nachhaltig.

Können Sie uns praxisnahe Use Cases für Terraform und Vault nennen?

Rafael Ulrich: Klar, zwei typische Einsatzszenarien für HashiCorp Terraform sind:

  1. Schnelle Provisionierung von Entwicklungsumgebungen: Entwicklerteams können mit einem einzigen Terraform-Skript komplette Testumgebungen in AWS oder Azure aufsetzen – inklusive Netzwerk, Compute, Storage, Load Balancer und Monitoring. Nach Projektabschluss lässt sich die Infrastruktur automatisiert wieder entfernen – das spart Zeit und Ressourcen.
  2. Plattform-übergreifende Infrastruktursteuerung:
    Große Unternehmen nutzen Terraform, um Ressourcen über mehrere Clouds hinweg sowie im eigenen Rechenzentrum zentral zu orchestrieren – etwa für globale Webanwendungen oder IoT-Plattformen. Das ermöglicht eine konsistente Steuerung komplexer Multi-Cloud-Architekturen.

Siegfried Markiefka: Bei HashiCorp Vault sehen wir zum Beispiel:

  1. Dynamische Geheimnisverwaltung für Datenbanken:
    Vault generiert automatisch temporäre Zugangsdaten für Datenbankzugriffe – beispielsweise bei Anfragen von Microservices. Diese Credentials verfallen nach kurzer Zeit, was sogenannte ‚Schlüssel-Leichen‘ verhindert und die Sicherheit signifikant erhöht.
  2. Geheimnisverwaltung für Kubernetes- & Container-Umgebungen:
    Vault lässt sich nahtlos in Kubernetes-Cluster integrieren und stellt Anwendungen dynamisch Secrets bereit – ganz ohne manuelle Eingriffe. Entwickler müssen keine Zugangsdaten mehr kennen oder verwalten. Das senkt das Risiko menschlicher Fehler und erhöht die Sicherheit in DevOps-Pipelines

Wie unterstützt TD SYNNEX die Partner konkret bei der Einführung?

Rafael Ulrich: Wir liefern nicht nur die Technologie, sondern auch ein umfassendes Enablement-Paket. Das reicht von Produktschulungen und technischer Beratung über die Erstellung von Marketing-Content bis hin zur aktiven Projektbegleitung. Unser Ziel ist es, Partner innerhalb kürzester Zeit in die Lage zu versetzen, mit Terraform effizient und produktiv zu arbeiten.

Siegfried Markiefka: Im Bereich Security verfolgen wir denselben Ansatz. Wir unterstützen Partner dabei, Vault optimal beim Kunden zu positionieren – mit Vertriebsunterlagen, Schulungen, Content-Marketing-Materialien und gezielten Trainings. Darüber hinaus bauen wir aktuell ein dediziertes HashiCorp-Partnernetzwerk auf, das auch Zugang zu IBM-Experten und erprobten Best Practices bietet.

Zum Schluss: Was möchten Sie interessierten Resellern mit auf den Weg geben?

Rafael Ulrich: Automatisierung ist nicht länger ein Trend, sondern eine Notwendigkeit. Wer sich früh positioniert, profitiert langfristig – technisch und wirtschaftlich. Terraform ist dafür das ideale Werkzeug.

Siegfried Markiefka: Und eines ist klar: Automatisierung funktioniert nur mit durchdachter Sicherheit. Vault ist weit mehr als eine Sicherheitslösung – es ist ein zentraler Enabler für vertrauenswürdige, moderne Cloud-Architekturen. Denn: Automatisierung ohne Sicherheit ist blind – und Sicherheit ohne Automatisierung ist ineffizient.